"Mainz zu Fuß"

Wo sich die Altstadt und die Neustadt treffen
Entdeckungsreise zu Sehenswürdigkeiten/Auf den Spuren des Stadtbaumeisters Kreyßig / AZ-Serie Teil 1

Mainzer Allgemeine Zeitung vom 01.07.2008

In Mainz gibt es viel zu entdecken: Von der romantischen Altstadt über historische Bauwerke bis zu einzigartigen Naturräumen bietet die Stadt zahlreiche Attraktionen. Aus dem neuen Stadtführer "Mainz zu Fuß" veröffentlicht die Allgemeine Zeitung Auszüge einiger Touren.

 
Von Stefanie Jung

Am Rhein entlang und vorüber an vielen kulturellen Highlights aus Gegenwart und Vergangenheit führt der Stadtrundgang auf den Spuren des legendären Stadtbaumeisters Eduard Kreyßig (1830-1897) bis an die Grenze zwischen der Alt- und Neustadt. Die Neustadt wird durch die als Prachtboulevard konzipierte Kaiserstraße von der Altstadt getrennt und geht ebenfalls auf die Planungen von Kreyßig zurück, dessen Ära im Jahr 1865 mit seinem Dienstantritt als Stadtbaumeister begann.

Zum Schutze der Stadt entstand unter seiner Federführung auch die Rheinkehlbefestigung (1873-1879). Durch die Auflassung 1907 wurde ihre militärische Bedeutung hinfällig. Im Schatten der historischen Mauern spaziert man bis heute entlang der in weiten Teilen neu gestalteten, großzügigen Rheinpromenade.

Die Tour startet in unmittelbarer Nähe der Touristik-Centrale auf dem Jockel-Fuchs-Platz vor dem Rathaus - in unmittelbarer Nachbarschaft zu der im Jahr 2007 durch den Gutenbergsaal erweiterten Rheingoldhalle. Das Kongresszentrum ist quasi der Nachfolgebau der im Krieg zerstörten Stadthalle, die nach den Plänen Kreyßigs zwischen 1882 und 1884 erbaut wurde.

Hinter der Skulptur "Schlüssel des Stundenschlägers" geht es die Stufen (alternativ: Aufzug in der Gastronomie) hinab, an das Adenauer-Ufer, wo sich die Anlegestellen der Ausflugsschiffe befinden. Die neu gestalteten gläsernen Verkaufskioske für Schifffahrkarten der Köln-Düsseldorfer sowie Primus-Schifffahrtslinie wurden im Jahr 2007 in Anlehnung an die von Kreyßig 1885 konzipierten Empfangsgebäude aufgestellt.

Links geht es die Promenade entlang, bis zu dem in Höhe des Kurfürstlichen Schlosses gelegenen Raimunditor, einem von früher zwölf Toren der Befestigungswerke. Am Kaisertor, wo die Kaiserstraße auf die Rheinallee trifft, ist es nicht mehr weit zu der ebenfalls im Zuge der Rheinkehlbefestigung erbauten Caponniere. Es lohnt von hier auch ein Abstecher zum nah gelegenen Zoll- und Binnenhafen, der im Zuge der Rheinregulierung entstand. Hier lädt das alte Kesselhaus, das nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Frühjahr 2008 als Kunsthalle zu neuem Leben erweckt worden ist, zu einem Besuch ein.

Die Kaiserstraße bildet die Grenze zwischen Alt- und Neustadt. Die außer der Rheinuferaufschüttung nordwestlich der Kaiserstraße durchgeführte Erweiterung um die auf dem früheren "Gartenfeld" entstandene Neustadt, bedeutete eine Verdoppelung des bis dahin im Wachstum durch den Festungsgürtel stark eingeschränkten Stadtgebietes.

Bei den Planungen orientierte sich Kreyßig an den im Rahmen seines Besuchs bei der Pariser Weltausstellung gemachten architektonischen Eindrücken von Baron Haussmann (1809-1891). Dieser zeichnet im Auftrag von Kaiser Napoleon III. für eine der bedeutendsten städtebaulichen Maßnahmen der Welt verantwortlich. Der sich fast die gesamte Länge der Kaiserstraße hinziehende Gartenstreifen wurde nach Kreyßig genannt. Seine Büste befindet sich auf einer Betonstele in der Mitte der Kaiserstraße. Kreyßigs Blick richtet sich auf die wie auf einer grünen Insel ruhenden Christuskirche. "Der evangelische Dom", wie die repräsentative evangelische Kirche mit ihrem prächtigen Kupferdach auch genannt wird, wurde zwischen den Jahren 1898 und 1903 nach seinen Plänen erbaut.

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